Vom Ende und vom Anfang

Manchmal müssen Dinge im Leben zu einem Ende kommen.

So endete mit dem Beginn des Herbstes unser Weg entlang des Camino. Das Ende war wild und unangenehm. So wie es mit dem Enden eben so ist.

Wir kamen kaum weiter, die Hunde taten sich zunehmend schwer mit unserem Abenteuer. Die Landschaft und das Wetter schienen gegen uns zu arbeiten.

Eines Nachts kam es dann, wie es wohl kommen sollte. Ein unerwartetes Hochwasser trat ein. Der Fluss stieg um mehrere Meter an und riss das Waumobil mit sich. Mitsamt meiner Ausrüstung, meinem Handy und wichtigen Dokumenten.

Dies war der Moment, an dem wir endgültig fühlen konnten, dass uns unser Weg nun woanders hinführen sollte. Der Camino geht weiter. Er endet nie. Diesen Abschnitt unseres Lebensweges aber ließen wir hinter uns. Es war Zeit für neue Abenteuer und neue Erfahrungen.

Zurück nachhause zu kommen, fühlte sich ebenso ungewiss an, wie es das Weggehen vor vielen Monaten tat. Wie es eben so ist mit einem Neubeginn.

In unserem Leben sind wir konstant mit Ende und Anfang konfrontiert.

Schon mit der Geburt verlassen wir etwas uns Altvertrautes. Die Welt, die wir über Monate kennenlernen durften. Wir tauchen ein in eine oft kalte Welt, bunt und darauf wartend von uns entdeckt zu werden.

Ein Neubeginn.

Wir durchleben unsere erste Zeit als Baby, Kleinkindalter, viele Schuljahre. Die erste Liebe. Die Zweite. Der erste Job.

Jahre gezeichnet durch unglaublich viele Ende und Anfangs. Sich rapide abwechselnd. Wir wachsen. Wir lernen. Wir sammeln Erfahrungen und verändern uns dabei. Wir reifen zu einem erwachsenen Menschen heran.

Doch ist unser Leben weiterhin von Ende und Anfang geprägt. Wenn auch langsamer.

Wir kündigen und starten einen neuen Job. Wir gründen eine Familie. Ziehen um in eine neue Wohnung. Besorgen uns eine Katze. Nehmen Abschied von geliebten Menschen, die starben. Begrüßen neue Menschen in unser Leben.

Solange wir wachsen, leben wir. Diese Abfolge von Ende und Anfang lässt uns reifen, lässt uns lernen. Sie lässt uns das Leben fühlen, in all seinen Facetten.

Das Ende ist schmerzhaft. Keine Frage. Loslassen tut weh. Manches möchten wir auch unter keinen Umständen verlieren. Auch wenn es noch so wichtig ist. Es fällt uns schwer.

Haben wir das Ende einmal erreicht, stehen wir vor einem Neuanfang. Ein Neuanfang ist eine Reise ins Ungewisse. Ein Weg in eine unbekannte Welt voller möglicher Gefahren. Es ist der Beginn eines Abenteuers.

So ist jede Veränderung im Leben ein Abenteuer. Stehen wir davor und trauen uns sie zuzulassen, können wir ungeahnte Höhen erreichen. Aber auch sehr tief fallen.

Eine Veränderung ist immer ein Risiko. Aber unabhängig davon, ob wir fallen, oder fliegen…sie lässt uns lebendig sein.

Im Stillstand sind wir nicht lebendig. Wir existieren. Vielleicht nicht mal das. Allzulanger Stillstand nimmt uns das Leben.

Jeder Moment im Leben kann ein Ende und ein Anfang sein. Mit jedem Atemzug stirbt unser altes Selbst und lässt uns neu geboren werden.

Natürlich ist nicht jeder Tod, jede Veränderung, intensiv und schmerzhaft. Nicht jeder Neubeginn schwierig. Aber sie alle haben die Kraft uns Lebendigkeit zu schenken. Insofern wir es zulassen.

Panta Rhei- Alles fließt

Heraklit beschrieb vor langer, langer Zeit schon, dass alles im Fluss ist. Niemand kann zweimal in den selben Fluss steigen. Beim zweiten Mal ist sowohl der Mensch, als auch der Fluss nicht mehr derselbe. Wir verändern uns. Unser Umfeld verändert sich.

Akzeptieren wir dies können wir ein üppiges Leben, voller Höhen und Tiefen, gespickt mit vielen Erfahrungen und Lehren führen.

Am Ende dieses Lebens, vor dem Eintauchen ins Ungewisse, in den nächsten großen Neubeginn, wissen wir dann…ja wir haben gelebt. Gekostet von allem das unser Leben uns bieten konnte. Gelernt was wir konnten.

Wir können zufrieden und mit Neugierde nach Vorne schauen. Wohin auch immer das sein mag.

 

 

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